PRÄAMBEL ANDERE WELT – Preamble Andere Welt

meineid

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Die nachfolgende Präambel für das Projekt „Andere Welt“ hat das gut besuchte und inspirierte Plenum am 9. März 2014 als verbindliche Grundlage für alles Sein und Tun auf dem Gelände debattiert und beschlossen.
Diese Präambel gilt ab sofort und soll selbstverständlich allen interessierten Neu-, Vielleicht-, Bald- und Irgendwann-Beteiligten als verbindlich für die Mitwirkung in der „Anderen Welt“ zur Kenntnis gebracht werden.

PRÄAMBEL – Die ANDERE WELT in Strausberg

Das Gelände und die Gebäude bieten Raum für viele ganz unterschiedliche Aktivitäten und Personen bzw. Personengruppen.
Oberstes Gebot zur Sicherstellung dieses Nebeneinander ist die Kooperation. Konkurrenz zwischen Personen und Veranstaltungen und Diskriminierung jeglicher Art lehnen wir prinzipiell ab.

In der „Anderen Welt“ treffen Menschen aufeinander, die sich emanzipieren wollen von der unterdrückenden, weil dominant organisierten Erwerbslogik, sich befreien wollen von dem abhängig gestalteten Mietverhältnis usw. Ziel ist aber auch, damit gleichzeitig anderen diese Selbständigkeit zu ermöglichen. Je mehr Leute sich diesen Mut, diese Selbstüberwindung, diese Tatkraft trauen und zutrauen, umso kleiner wird die Hürde für andere, vielleicht Schwächere, vielleicht Mutlosere.
Ein erweiterter Kulturbegriff soll dabei gedanklich und erlebbar entwickelt werden.
Das Projekt versteht sich als prinzipiell offen für Interessierte und gibt sich einen einladenden Grundgestus.

Das gesamte Projekt unterliegt dieser Widmung, die – vergleichbar einem Stiftungszweck – alle Aktivitäten in ihren Grundzügen und Details bestimmt. Das ambitionierte und lustvolle Ausgestalten dieser Widmung soll unbedingt das Anliegen aller Beteiligten sein.

Das Projekt versteht sich insofern als politisch widerständig, da die Grundausrichtung jeglichen Wirtschaftens auf dem Gelände strikt antikapitalistisch ist. Hier liegt der Fokus vor allem auf der am Kapitalismus zu kritisierenden konsequenten Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft und der natürlichen Ressourcen.
Unsere Aufgabe ist es, nachzuweisen, dass und wie es möglich ist, wirklich eigenverantwortlich und im Sinne des Projekts solidarisch und fair zu wirtschaften.

Die Bewahrung und Pflege des (Ur-)Walds ist hervorragendes Anliegen. Die kommerzielle Nutzung des Waldes darf nur unter der Prämisse der sinnvollen Entwicklung des Urwaldes erfolgen.
Die ökologisch ambitionierte Durchdringung aller anderen Projekte ist absolut geboten. Wenn eingesehen werden muss, dass nicht in jedem Fall alles ökologisch restlos korrekt organisiert werden kann, muss um die verträglichste Lösung gerungen werden.

Die ständige Überprüfung aller Vorhaben unter diesen Gesichtspunkten obliegt nicht dem verantwortlichen Besitzer, sondern ist Anliegen und Verpflichtung aller Mitwirkenden im schönsten Sinne.

Ein Plenum, das in geeigneter Form und in regelmäßigen Abständen zusammentritt, bestimmt über die großen, grundsätzlichen Fragen, die das gesamte Areal betreffen. Hier ist jeweils abzuwägen, was tatsächlich alle und alles tangiert, und was Entscheidung einzelner Projekte und Arbeitsgruppen ist. Dissens ist kein Manko, sondern stetiger Motor für eine lebendige Auseinandersetzung in dieser basisdemokratischen Struktur.

Es wird nie ein richtiges Leben im Falschen geben können. Auch in der „Anderen Welt“ treten alle Widersprüchlichkeiten dieser Gesellschaft in allen Einzelfragen zutage. Wir können nichts richtig machen. Aber wir können es versuchen.

 

The following Preamble for the project „A Different World“ was debated and passed by an inspiring plenum with many participants on the 9 March 2014 as a binding basis for everything that is created, exists and happens on site.
This preamble is valid immediately. It is relevant and binding for all those interested –  newly arrived, perhaps-to-be, soon-to-be and future participants in the ‚Andere Welt‘.
PREAMBLE – Andere Welt in Strausberg
The site and the buildings provide space for many completely different activities and people or groups of people.
This coexistence is ensured above all through Cooperation.  On principle, we reject competition between people and events, and discrimination of any kind.
In the „Different World“, people come together who want to liberate themselves from the logic of acquisition, with its oppressive hierarchical structures, and such forms of dependency as rental contracts.  The goal is also to allow or enable people to become self-sufficient. The more people trust in their own courage and ability to act and overcome their limitations, the smaller the hurdle will be for others, including the weaker or less courageous, to do the same.
In a visionary and understandable process, we will develop a new and more open concept of of what we mean by „culture“.  A key and defining principle of the project is to be open and welcoming towards those people interested in participating.
Just as a charitable foundation has its purpose, this principle determines all the activities in their basic form and in their details. Everyone involved in the project is expected to pursue this goal with passion and ambition.
Political resistance is another defining principle of this project: all economic activities on the site are organised in a strictly anti-capitalistic way. The focus lies on a critical stance to the thorough exploitation of human labour and natural resources in our society.
Our task is to prove that it is possible and how it is possible, to manage economic matters  in a truly autonomous way and in solidarity and fairness for the purposes of the project.
The maintenance and protection of the (virgin)forest is an outstanding issue. A solid plan for the sustainable development of the virgin forest is precondition for any commercial use of the forests on the site.
High environmental standards should also be applied thoroughly to all other projects. While recognising that not every last detail can be organised in an environmentally pristine way, for each case, the most acceptable solution should be found.
Constant assessment of all projects according to these principles is not the task and responsibility of the owner, but in a positive sense – of all those involved.
A plenum, which meets in a suitable form and on a regular basis, makes decisions on the big, fundamental questions which affect the whole site.  This involves considering what really affects everyone and everything, and what should be decided by the individual project and working groups. Disagreement is not failure, it’s a constant driving force for a lively exchange in this project’s grassroots democratic structures.
There can never be a right life in the wrong one. Even in the „Andere Welt“, all contraditions which exist in society will occur in each individual issue.  We cannot do anything right. But we will try.

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