Panarchie – Panarchy

panarchie

English below

Dieser Artikel erschein 1909 in Gustav Landauers „Der Sozialist“ und beschreibt einen fröhlich-komplexen Gedanken, der vielleicht nicht nur ein Gedankenspiel ist, sondern auch zu einer Vorstellung inspirieren kann, in deren Rahmen verschiedenste Lebens-, Wirtschafts- und Organisationsmodelle auf bspw. einem großen Gelände wie dem der „Anderen Welt“ ihren Platz finden könnten.

Max Nettlau
Panarchie
Eine verschollene Idee von 1860

Seit langem fasziniert mich der Gedanke, wie schön es doch wäre, wenn endlich einmal in der allgemeinen Auffassung über die Aufeinanderfolge der politischen und sozialen Einrichtungen das verhängnisvolle Wort nacheinander durch das so einfache und selbstverständliche nebeneinander ersetzt würde. «Nieder mit dem Staat!», «Nur auf den Trümmern des Staates…» sind Empfindungen und Wünsche Vieler, denen aber doch wohl nur das kühle Heraus aus dem Staat (Nr. 2 des «Sozialist») zur Durchführung verhelfen kann.
Tritt in einer Wissenschaft eine neue Erkenntnis zu Tage, so arbeiten eben die davon Überzeugten auf dem neuen Weg einfach weiter, ohne die alten Professoren, die dem nicht folgen wollen oder können, überzeugen, zur Akzeptierung der neuen Methode zwingen oder totschlagen zu wollen; die geraten von selbst ins Hintertreffen und verkümmern und vertrocknen, wenn die neue Methode das richtige Leben in sich hat. Allerdings kann in vielen Fällen der böse Wille und die Dummheit der neuen Idee vieles in den Weg legen; darum müssen für die unbedingte gegenseitige Toleranz harte Kämpfe ausgefochten werden, bis sie errungen ist; erst dann geht alles von selbst, die Wissenschaft blüht und gedeiht, weil der für jeden Fortschritt nötige Boden der Versuchsfreiheit und freien Forschung gewonnen ist.
Nur nicht immer «alles unter einen Hut bringen wollen» – das ist dem Staat nicht gelungen: die Sozialisten und Anarchisten entschlüpften dieser Macht; und das dürfte uns auch nicht gelingen, denn die «Staatsmenschen» sind nun einmal noch da. Es müßte übrigens uns selbst nur angenehm sein, so einen eingefleischten Staatskrüppel nicht in unserer freien Gesellschaft mitschleppen zu brauchen, und die oft erörterte Frage, was denn mit den Reaktionären geschehen soll, die sich der Freiheit nicht anpassen können, würde dadurch sehr einfach gelöst: die mögen sich ihren Staat behalten, solange sie wollen – nur hat er für uns nicht mehr Bedeutung, über uns nicht mehr Macht, als die verschrobenen Ideen irgend einer religiösen Sekte, um die sich niemand kümmert. So wird es früher oder später kommen; die Freiheit bricht sich überall Bahn.
Als wir einmal auf dem Comosee fuhren, bestieg eine Mailänder Lehrerin mit einer großen Schulklasse das Dampfschiff. Sie wollte, daß sich die Kinder alle niedersetzten und rannte von einer Gruppe zur anderen, das Niedersetzen anordnend – aber kaum hatte sie einer Gruppe den Rücken gedreht, standen die meisten sofort auf und so oft sie das Ganze überblickte, wenn sie, mit dem Ordnen der Kinder fertig zu sein glaubte, standen sie in demselben Durcheinander da wie früher. Statt nun «streng» zu werden, lachte die junge Frau selbst darüber und ließ die Kinder in Ruhe, von denen sich die meisten bald von selbst niedersetzten. Das ist ein harmloses Beispiel, wie alles, sich selbst überlassen, sich am besten löst, und bevor sich die Idee der gegenseitigen Toleranz in politischen und sozialen Dingen Bahn bricht, könnten wir, nebenbei gesagt, nichts besseres tun, als uns selbst hierfür vorzubereiten, indem wir sie in unserm eigenen täglichen Leben und Denken ins Werk setzen; wie oft handeln wir noch selbst ihr entgegen?
Diese Worte sollen zeigen, wie lieb mir diese Idee geworden ist, und begreiflich machen, daß ich mich freue, in einem verschollenen Aufsatz einen Vorläufer dieser Idee gefunden zu haben, von der sonst in unserer Literatur, der der Kampf freilich aufgezwungen wurde, nicht viel die Rede ist. Ich meine den Artikel Panarchie von P. E. de Puydt in der Revue Trimestrielle (Brüssel), Juli 1860, SS. 222 – 245. Der mir sonst bis jetzt unbekannte Verfasser, um den ich mich noch nicht kümmerte, um mir den Eindruck seiner Ideen nicht zu stören, steht den sozialen Bewegungen wohl fern, hat aber einen klaren Blick dafür, wie das jetzige politische System, nach welchem sich Alle einer durch Majoritätsbeschluß oder sonst irgendwie entstandenen Regierung fügen sollen, einfach dem elementarsten Freiheitsbedürfnis ins Gesicht schlägt. Ohne mich mit seinem unmittelbaren Vorschlag irgendwie zu identifizieren, will ich, ohne Vollständigkeit anzustreben, seine Gedankengänge resümieren und einzelnes wörtlich anführen.
Man würde sich seiner Idee nähergebracht fühlen, wenn man für das von ihm stets gebrauchte Wort «Regierung» sich «Gesellschaftsform» dächte, wie er ja selbst die Existenz aller Regierungsformen, bis zur «An-archie des Herrn Proudhon sogar» nebeneinander reklamiert, jeweils für ihre wirklichen Interessenten.
Der Verfasser erklärt sich für die Lehren der politischen Ökonomie des «Laissez faire, laissez passer» (die Manchesterrichtung der freien Konkurrenz ohne Staatseinmischung). Es gibt aber keine halben Wahrheiten; daraus schließt er, daß das Gesetz der freien Konkurrenz, laissez faire, laissez passer, sich nicht nur auf die industriellen und kommerziellen Verhältnisse beziehe, sondern auch in gleicher Weise in der politischen Sphäre zum Durchbruch gelangen müsse.
Die einen sagen, es gibt zu viel Freiheit – die andern, es gibt noch nicht genug Freiheit. In Wirklichkeit fehlt die Grundfreiheit, die man grade brauchen würde: die Freiheit, nach eigener Wahl frei oder nicht frei zu sein. Jeder entscheidet diese Frage für sich, und da es so viele Meinungen wie Menschen gibt, so entsteht daraus das Durcheinander, das man Politik nennt. Die Freiheit der einen ist die Negierung der Freiheit der anderen. Die beste Regierung funktioniert nie nach dem Willen Aller; es gibt Sieger und Besiegte, Unterdrücker im Namen des geltenden Rechtes, Empörer im Namen der Freiheit.
Will ich mein eigenes System vorschlagen? Durchaus nicht; ich bin Anhänger aller Systeme, d.h. aller Regierungsformen, die Anhänger finden. Jedes System ist wie ein Gebäude, in welchem die Eigentümer und Hauptmieter die besten Wohnungen haben und sich wohlbefinden; die anderen, die keinen Platz darin finden, sind unzufrieden. Ich hasse die Zerstörer eben so wie die Tyrannen. Die Unzufriedenen sollen ihrer Wege gehen, aber ohne das Haus zu zerstören; was ihnen nicht gefällt, mag ja ihrem Nachbarn Freude machen.
Sollen sie aber auswandern, sich irgendwo in der weiten Welt eine andere Regierung suchen? Nicht im geringsten; und ebensowenig sollen die Leute nach ihren Meinungen hierhin und dorthin verteilt werden. «Ich wünsche, daß man weiter zusammenlebt, da, wo man ist, oder anderswo, wenn man will, aber ohne Streit, brüderlich, jeder seine Meinung frei äußernd und nur den von ihm persönlich gewählten oder akzeptierten Mächten sich unterordnend».
Kommen wir zur Sache. «Nichts Dauerhaftes entsteht, das nicht auf Freiheit gegründet ist. Nichts Existierendes erhält sich und funktioniert mit Erfolg außer durch das freie Spiel all seiner tätigen Bestandteile. Sonst gibt es Kraftverlust, schnelle Abnützung der Räder, allzuviel Bruch und Unfälle. Ich verlange also für jedes Element der menschlichen Gesellschaft die Freiheit, sich nach seiner Wahlverwandtschaft zu andern zu gesellen und nur seinen Fähigkeiten entsprechend zu funktionieren; mit andern Worten, das absolute Recht, die politische Gesellschaft, in der sie leben wollen, sich zu wählen und nur von ihr abzuhängen.»
Heutzutage sucht ein Republikaner die bestehende Staatsform umzustürzen, um sein Staatsideal zu errichten; alle Monarchisten und sonst nicht daran Interessierten stehen ihm als Gegner gegenüber. Statt dessen könnte nach der Idee des Verfassers auf eine Weise vorgegangen werden, die in Familienverhältnissen der gesetzlichen Trennung, der Ehescheidung, entspricht. Er schlägt eine ähnliche Scheidungsmöglichkeit in der Politik vor, durch welche niemand verletzt wird.

Man will sich politisch trennen? Nichts einfacher, als seiner Wege zu gehen, aber ohne die Rechte und Meinungen der anderen zu berühren, die ihrerseits etwas Platz machen müssen und den anderen die Freiheit lassen, ihr eigenes System zu verwirklichen.

Praktisch könnte der Apparat der Zivilstandsregistrierung dienen; in jeder Gemeinde würde ein neues Bureau für die politische Regierungsangehörigkeit der einzelnen gegründet und die Erwachsenen würden sich in die Listen der Monarchie, der Republik usw. nach ihrem Belieben eintragen lassen. Von da ab berührt sie das andere Regierungssystem der anderen nicht mehr; jedes System organisiert sich, hat seine eigenen Vertreter, Gesetze, Richter, Steuern, ob es nun zwei oder zehn solche Organismen neben einander geben mag. Für die Differenzen, die zwischen diesen Organismen entstehen mögen, sind, wie zwischen befreundeten Völkern, Schiedsgerichte usw. ausreichend. Es wird wohl viele allen Organismen gemeinsame Angelegenheiten geben, wo sich alles durch gegenseitige Abmachungen ordnen läßt, wie etwa das Verhältnis der Schweizer Kantone und amerikanischen Einzelstaaten zu deren Gesamtstaaten geordnet ist.
Es mag solche geben, die sich in keinen dieser Organismen einfügen wollen. Diese mögen für ihre Ideen Propaganda machen und ihre Anhänger zu vermehren suchen, bis sie die budgetäre Unabhängigkeit erlangt haben, d.h. das, was sie auf ihre Weise haben wollen, selbst zahlen können; bis dahin müßten sie einem der bestehenden Organismen angehören; das ist nur eine finanzielle Frage.
Die Freiheit muß soweit gehen, daß sie das Recht, nicht frei zu sein, einschließt; also Klerikalismus, Absolutismus für die, die es nicht anders haben wollen. Es wird also freie Konkurrenz zwischen den Regierungssystemen bestehen. Die Regierungen, um sich Anhänger, Kunden, zu sichern, werden sich verbessern müssen. Jeder bleibt daheim, ohne auf etwas, das ihm lieb ist, verzichten zu müssen. Es handelt sich nur um eine einfache Erklärung im politischen Bureau der Gemeinde, und ohne Schlafrock und Pantoffeln auszuziehen, mag man von der Republik zur Monarchie, vom Parlamentarismus zur Autokratie, von der Oligarchie zur Demokratie oder selbst zur An-archie des Herrn Proudhon nach eigenem Belieben übergehen.
«Sie sind mit Ihrer Regierung nicht zufrieden? Nehmen Sie sich eine andere» – ohne Aufstand und Revolution und irgendwelche Aufregung – durch einen einfachen Gang in das politische Registrierungsbureau. Die alten Regierungen mögen bestehen bleiben, bis diese Freiheit des Experiments, die hier vorgeschlagen wird, ihnen den Rest gibt; man verlangt nur eins: freie Wahl.
Freie Wahl, Konkurrenz – das wird eines Tages auch die Devise der politischen Welt sein. Wird das nicht das unerträglichste Durcheinander sein?
Man erinnere sich doch nur an die Zeit, als man sich in den Religionskämpfen gegenseitig erwürgte. Was wurde aus diesem tödlichen Haß? Der Fortschritt des Menschengeistes fegte ihn hinweg wie der Wind die letzten Blätter im Herbst. Die Religionen, in deren Namen Scheiterhaufen und die Folter wirkten, leben heutzutage friedlich nebeneinander. Gerade da, wo ihrer mehrere nebeneinander bestehen, sieht jede mehr als sonst auf ihre Würde und Reinheit. Sollte das, was auf diesem Gebiet möglich war, trotz aller Hindernisse nicht auch auf dem Gebiet der Politik möglich sein?
Heutzutage, wo Regierungen nur mit Ausschluß jeder anderen Macht existieren, wo Parteien nach der Niederwerfung ihrer Gegner herrschen, wo die Majorität die Minorität unterdrückt, ist es unvermeidlich, daß Minoritäten, die Unterdrückten, ihrerseits grollen, intriguieren, die Stunde der Rache, der endlich errungenen Macht abwarten. Wenn aber aller Zwang beseitigt ist, wenn jeder Erwachsene jederzeit für sich selbst freie Wahl hat, dann wird jeder unfruchtbare Kampf unmöglich.
Wenn die Regierungen dem Prinzip des freien Versuchs, der freien Konkurrenz unterworfen sind, werden sie sich ihrerseits bessern und vervollkommnen; nicht mehr die wolkenhafte Abgeschlossenheit, hinter der nur Leere steckt; der Erfolg wird für sie nur darin liegen, es besser und billiger zu machen als die anderen. Die jetzt in unfruchtbarer Arbeit, Reibungen und Widerstand, verlorenen Kräfte werden sich vereinigen, dem Fortschritt und dem Glück der Menschheit einen unvorhergesehenen, wunderbaren Anstoß zu geben.
Auf den Einwurf, daß man nach diesen Versuchen mit Regierungen aller Art zu einer einzigen, der vollkommensten, zurückkehren würde, bemerkt der Verfasser, selbst wenn das so wäre, so wäre eben doch die allgemeine Eintracht durch das freie Spiel der Kräfte herbeigeführt worden. Das wäre aber doch nur in einer fernen Zukunft der Fall, «wenn die Funktion der Regierung mit allgemeiner Zustimmung auf ihren einfachsten Ausdruck zurückgeführt sein wird.» Einstweilen sind aber die Menschen so verschiedenen Sinnes, so verschiedener Sitten, daß nur dieses vielseitige Regime möglich ist.
Einer sucht Bewegung, Kämpfe, ein anderer Ruhe; dieser Aufmunterung und Hilfe, jener, das Genie, verträgt keinerlei Lenkung. Einer will die Republik, Ergebenheit und Entsagung – ein anderer die absolute Monarchie mit ihrem Pomp und Glanz. Jener Redner will ein Parlament; dieser, ein Schweigsamer, verdammt die Schwätzer. Es gibt starke Geister und schwache Köpfe, Ehrgeizige und einfache, zufriedene Leute. Es gibt so viel Charaktere wie Personen, soviel Bedürfnisse wie verschiedene Naturen. Wie können sie alle von einer einzigen Regierungsform zufriedengestellt werden? Die Zufriedenen werden die wenigsten sein; selbst die vollendetste Regierung fände eine Opposition. In dem vorgeschlagenen System wäre all dieser Zank nur häuslicher Streit, mit der Scheidung als äußerstem Hilfsmittel.

Die Regierungen würden untereinander wetteifern, und ebenso würden die jeder Regierungsform sich Anschließenden an dieser hängen, weil sie eben ihren Ideen ganz entspricht.
Wie würde man all diese Leute auseinandertrennen? – Ich glaube an «die souveräne Macht der Freiheit, Frieden unter der Menschheit herzustellen.» Tag und Stunde dieser Eintracht kann ich nicht vorhersehen. Meine Idee ist ein in den Wind gestreutes Samenkorn. Wer dachte in früheren Zeiten an Gewissensfreiheit, und wer würde sie heute in Frage stellen? Man mag zur praktischen Durchführung z.B. die Dauer der Zugehörigkeit zu einer Regierungsform auf ein Jahr festsetzen. Jede Gruppe findet ihre Anhänger zusammen, wenn sie dieselben braucht, wie eine Kirche ihre Mitglieder oder eine Aktiengesellschaft ihre Aktionäre. – Wird dieses Nebeneinanderbestehen von Regierungsorganismen nicht eine Überhäufung mit Regierungspersonal, eine Kräfteverschwendung bedeuten? Der Einwand ist von Bedeutung, doch wenn das einmal gefühlt wird, wird auch abgeholfen werden – nur die wirklich lebensfähigen Organismen werden weiterbestehen, die anderen an Entkräftung eingehen.
Werden die jetzt herrschenden Dynastien und Parteien je auf so einen Vorschlag eingehen? –
Es müßte in ihrem Interesse sein, das zu tun: besser weniger Zugehörige, aber sich freiwillig und ganz ihnen unterwerfende, gegen die kein Zwang nötig ist, keine Soldaten, Gendarmen, keine Polizei. Keine Verschwörungen und Usurpationen; jeder ist legitim und keiner. Eine Regierung mag heute liquidieren und sich später, wenn sich mehr Anhänger finden, statt durch einen Gewaltstreich durch eine einfache Konstituierung, wie eine Aktiengesellschaft, wieder bilden. Von den geringen Beiträgen, die bei den Registrierungen zu entrichten wären, würden die Registrierungsbureaux erhalten, ein einfacher Mechanismus, den ein Kind leiten könnte und der doch allen Bedürfnissen entspräche.
Das ist alles so einfach und richtig, daß ich überzeugt bin, daß niemand etwas davon wird wissen wollen; die Menschen sind einmal so ….
Mich erinnern der Stil und die Gedankengänge des Verfassers de Puydt etwas an Anselme Bellegarrigue, wie man ihn in seinen zahlreichen Artikeln in der Civilisation, dem Tagblatt von Toulouse, 1849, kennen lernen kann. Ähnliche Ideen in Bezug auf Steuern hat besonders Auberon Herbert später durch viele Jahre vertreten (voluntary taxation). Daß die ganzen Ausführungen uns heute viel plausibler klingen, als sie den Lesern von 1860 klingen mochten, zeigt, daß doch einiger Fortschritt gemacht wurde. Diesen Ideen einen unsern heutigen Gefühlen und Bedürfnissen entsprechenden Ausdruck zu geben und selbst zu ihrer Verwirklichung zu schreiten – darauf kommt es heute an; die Idee der eigenen Initiative, die in dem kühlen Raisonnement des isolierten Verfassers von 1860 noch fehlte – sollte sie nicht dasjenige sein, was eine Diskussion dieser Fragen heute aussichtsvoller und hoffnungsreicher macht?
M.N.
22 Februar 1909

 

Panarchy
This article first appeared in 1909 in Gustav Landauers „Der Sozialist“ (The Socialist newspaper) and describes a happy, complex thought, which doesn’t have to be just an intellectual exercise, but can also inspire people to imagine what different living, economic and organisational models could find space on a large site such as „Different World“ within such a framework.  (The translation is by John Zube, the source is www.panarchy.org)
Max Nettlau
Panarchy
A Forgotten Idea of 1860

For a long time I have been fascinated by the thought how wonderful it would be if at last, in public opinion on the succession of political and social institutions, the fateful term „one after another“ would be replaced through the very simple and self-evident „simultaneously.“
“Down with the State!“ and „Only upon the ruins of the State. . .“ express emotions and wishes of many but it seems that only the cool „Opt out of the State“ (No. 2 of „The Socialist“) can help them towards their realization.
When a new scientific insight appears, then those convinced of it do simply proceed upon it, without wanting to persuade the old professors who do not intend to follow it or to force them to accept the new way or to slay them. Quite on their own, they will fall behind, diminish in reputation and dry up – if only the new method is full of life. Indeed, in many cases, maliciousness and stupidity will put many obstacles in the road of the new idea. That is the reason why hard struggles must be fought for unconditional mutual tolerance, until it is finally achieved. Only from then on will everything proceed automatically, science will bloom and advance, because the necessary foundation for every progress, namely experimental freedom and free research has been achieved.
One should by no means attempt to „bring everything under one hat.“ Even the State did not achieve that. The socialists and the anarchists slipped away from its power. And we would not be any more successful with such an attempt, for the statists do still exist (are one of the facts of our reality). Besides, it should rather please us not to have to drag a die-hard cripple of the State into our free society. The frequently discussed question: „What ought to be done with the reactionaries, who cannot adapt to liberty?“, would thereby be very simply solved: They may retain their State, as long as they want it. But for us it would become unimportant. Over us it would have no more power than the eccentric ideas of a sect which are of interest to no one else. Thus it will happen, sooner or later. Freedom will break a path for itself, everywhere.
Once, while we were on a steamer on Lake Como, a teacher from Milan boarded the ship with a large class. She wanted all the kids to sit down and rushed from one group to the other, ordering them to sit. However, barely had she turned her back upon any of the groups when most of the group stood up again and whenever she attempted to survey all of them, believing at last to have finished with her labour, she found them standing up and around, in the same disorder as before. Instead of now becoming more severe with them, the young woman laughed herself about it and left the children in peace. Most of them soon sat down anyhow, on their own initiative. This is just a harmless example to demonstrate that everything, which is left to itself, solves itself best.
Consequently and as an aside: Before the idea of MUTUAL TOLERANCE in political and social affairs will break its path, we could do nothing better than to prepare ourselves for it – by realizing it in our own daily living and thinking. How often do we still act contrary to it?
These words are intended to demonstrate how much I have fallen in love with this idea and to make others understand my pleasure to have found a forgotten essay of a pioneer of this idea, an idea which is not talked about much in our literature. However, one must admit that the struggle it is engaged in was really forced upon it.
I am speaking of the article „PANARCHIE“ by P. E. de Puydt in the „REVUE TRIMESTRIELLE“ (Brussels), July 1860, pages 222 to 245. The author, who was so far unknown to me and about whom I did not care to inquire in order not to disturb my impression of his ideas, does probably stand apart from the social movements. But he has a clear vision of the extent to which the present political system, according to which ALL have to submit to one government, constituted upon a majority decision or otherwise, flies right into the face of the simplest requirements for liberty.
Without identifying with his own proposal in any way, or attempting to achieve completeness, I want to summarize his views and quote some passages.
One will feel closer to his idea if one replaces in one’s mind the word „government“, which he always uses, with „social organization,“ especially since he himself proclaims the coexistence of all governmental forms up to and including „even the AN-ARCHY of Mr. Proudhon“, each form for those who are really interested in it.
The author declares himself for the teachings of the political economy of „LAISSEZ-FAIRE, LAISSEZ PASSER“ (the Manchester School of free competition without state intervention). There are no half-truths. From this he concludes that the law of free competition, LAISSEZ-FAIRE, LAISSEZ PASSER, does not only apply to the industrial and commercial relationships but would have to be brought to its breakthrough in the political sphere.
Some say that there is too much freedom, the others, that there is not enough freedom. In reality, the fundamental freedom is missing, precisely the one needed, the freedom to be free or not free, according to one’s choice. Everybody decides this question for himself and since there are as many opinions, as there are human beings, the mix-up, called politics, results. The freedom of one party is the negation of the freedom of the others. The best government functions never in accordance with the will of all. There are victors and defeated, suppressors in the name of the present law and insurgents in the name of freedom.
Do I want to propose my own system? Not at all! I am an advocate of all systems, i. e. of all forms of government that find followers.
Every system is like a block of flats in which the proprietor and the main tenants have the best accommodations and feel well off. The others, for whom there is not sufficient space in it, are dissatisfied. I hate the destroyers as much as the tyrants. The dissatisfied ones should go their own way, but without destroying the building. What does not please them may give pleasure to their neighbours .
Should they emigrate instead, to seek for themselves, anywhere in the world, another government? Not at all. Nor should people be deported, here and there, in accordance with their opinions. „I wish them to continue living in coexistence, wherever one happens to be or elsewhere, if one wants to, but without a struggle, like brothers, each freely speaking his mind and each subordinating himself only to those powers personally elected or accepted by him.“
Let us come to the subject. „Nothing develops and lasts that is not based upon liberty. Nothing that exists maintains itself and functions successfully except through the free play of all its active components. Otherwise, there will be loss of energy through friction, rapid wear of the cog-wheels, too many breakages and accidents. Therefore, I demand for each and every element of human society (individual) the liberty to associate with others, according to his choice and congeniality, to function only in accordance with his capabilities, in other words, the absolute right to select the political society in which they want to live and to depend only upon it.“
Today the republican attempts to overthrow the existing form of the State in order to establish his ideal of the State. He is opposed as an enemy by all monarchists and others not interested in his ideal. Instead, according to the idea of the author, one should proceed in a way which corresponds to legal separation or divorce in family relationships. He proposes a similar divorce option for politics, one which would harm no one.
One wants to be politically separated? Nothing is more simple than to go one’s own way – but without infringing the rights and opinions of others, who, on their side, would just have to make a little bit of room and would have to leave the others full liberty to realize their own system.
In practice, the machinery of the civil registry office would suffice. In each municipality a new office would be opened for the POLITICAL MEMBERSHIP of individuals with GOVERNMENTS. The adults would let themselves be entered, according to their discretion, in the lists of the monarchy, of the republic, etc.
From then on they remain untouched by the governmental systems of others. Each system organizes itself, has its own representatives, laws, judges, taxes, regardless of whether there are two or ten such organizations next to each other.
For the differences that might arise between these organisms, arbitration courts will suffice, as between befriended peoples.
There will, probably, be many affairs common to all organisms, which can be settled by mutual agreements, as was, for instance, the relationship between the Swiss cantons and of the American States with their federations.
There may be people who do not want to fit into any of these organisms. These may propagate their ideas and attempt to increase the numbers of their followers until they have achieved an independent budget, i. e. can pay for what they want to have in their own way. Up to then, they would have to belong to one of the existing organisms. That would be merely a financial matter.
Freedom must be so extensive that it includes the right not to be free. Consequently, clericalism and absolutism for those who do not want it any other way.
There will be free competition between the governmental systems. The governments will have to reform themselves in order to secure to themselves followers and clients.
What is involved is merely a simple declaration at the local Office for Political Membership and without having to part with one’s dressing gown and slippers, one may transfer from the republic to the monarchy, from parliamentarianism to autocracy, from oligarchy to democracy or even to the anarchy of Mr. Proudhon, according to one’s own discretion.
“You are dissatisfied with your government? Take another one for yourself“ – without an insurrection or revolution and without any unrest – simply by a walk to the Office for Political Membership. The old governments may continue to exist until the freedom to experiment, here proposed, will lead to their decline and fall.
Only one thing is demanded: free choice. Free choice, competition – these will, one day, be the mottos of the political world.
Wouldn’t that lead to an unbearable chaos? One should merely remember the times when one throttled each other in religious wars. What became of these deadly hatreds? The progress of the human spirit has swept it away like the wind does with the last leaves of autumn. The religions, in whose names the stakes and torture were operating, do nowadays coexist peacefully, side by side. Especially there wherever several of them coexist, each of them is more than otherwise concerned about its dignity and purity. Should what was possible in this sphere, in spite of all hindrances, not be likewise possible in the sphere of politics?
Nowadays, when governments only exist with the exclusion of all other powers, where each party dominates after having thrown down its opponents, where the majority suppresses the minority, it is inevitable that the minorities, the suppressed, grumble and intrigue on their side and wait for the moment of revenge, for the finally achieved power. But when all coercion is eliminated, when every adult has at any time a completely free choice for himself, then every fruitless struggle will become impossible.
While governments are subjected to the principle of free experimentation, to free competition, they will improve and perfect themselves on their own. No more aloofness, up in the clouds, which only hides their emptiness. Success for them will entirely depend upon them doing it better and cheaper than the others do.
The energies, presently lost in fruitless labours, friction and resistance, will unite themselves in order to promote progress and happiness of man, in unforeseen and wonderful ways.
Upon the objection that after all these experiments with governments of all kinds, one would, finally, return to a single one, the perfect one, the author remarks that even if that were the case, this general agreement would have been achieved through the free play of all forces. But that could happen only in afar away future, „when the function of government, with general agreement, is reduced to its most simple expression.“ In the meantime, people are of a different mind, and have so varied customs that only this multiplicity of governments is possible.
In the proposed system, on the other hand, all disagreements would be merely squabbles at home, with divorce as the ultimate solution.
Governments would compete with each other and those who associated themselves to their government, would be especially loyal to it because it would correspond to their own ideas.
How would one sort all these different people out? – I believe in „the sovereign power of freedom to establish peace among men.“ I cannot foresee the day and the hour of this concord. My idea is like a seed thrown into the wind. Who has in former times thought of freedom of conscience and who would question it today?
For its practical realization one might, for instance, set the minimum period for membership, in one form of government, at one year.
Each group would find and collect its followers whenever it needs them, like a church does for its members and a share company for its share holders.
Would this coexistence of many governmental organisms lead to a flood of public servants and a corresponding waste of energies? This objection is important; however, once such an excess is felt, it will be done away with. Only the truly viable organisms will persist, the others will perish from enfeeblement.
Will the presently ruling dynasties and parties ever agree to such a proposal? It would be in their interest to do so. They would be better off with fewer members, but all of these voluntarily and completely subordinating themselves. No coercion would be necessary against them, no soldiers, no gendarmes, no policemen. There would be neither conspiracies nor usurpations. Each and no one would be legitimate.
A government might today go into liquidation and, later on, when it can find more followers, it can re-establish itself, by a simple constitutional act, like a share company.
The small fees to be paid for the registration would support the offices for political membership. It would be a simple mechanism, one that could be led by a child and that, nevertheless, would correspond to all requirements.
All this is so simple and correct that I am convinced that no one will want to know anything about it.
Man, being man . . .
 
The style and the way of thinking of the author, de PUYDT, reminds me somewhat of ANSELME BELLEGARRIGUE [1], as one learns to know him in his numerous articles in a newspaper of the Toulouse of 1849, Civilisation. Similar ideas, especially with regard to taxes, were later and for many years expressed by AUBERON HERBERT [2] (voluntary taxation).
The fact that his arguments appear much more plausible to us than they may have appeared to his readers of 1860, does demonstrate that at least some progress has been made.
The decisive thing is to give to this idea the kind of expression that corresponds to today’s feelings and requirements and to prepare oneself towards its realization. It is the idea of their own personal initiative that was still amiss in the cool reasoning of the isolated author of 1860.
Shouldn’t that be the aspect that would make the discussion of these questions today more promising and hopeful?

Notes
[1] Anselme Bellegarrigue (19th century) was an anarchist writer and activist. He was the editor of Anarchie, Journal de l’Ordre and Au fait ! Au fait ! Interprétation de l’idée démocratique.
[2] Auberon Herbert (1838-1906), English writer and philosopher. He was the originator of a current of ideas called voluntaryism, advocating, among other things, voluntarily funded governments.
END OF ARTICLE
Translated by John Zube from the German reproduction in „Zur Sache“, No.9 (On the Topic, No.9), produced 1985 by the Mackay Gesellschaft, Germany, editor: Kurt Zube, 1905 -1991.
Source: www.panarchy.org

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