Ein erster Konzepttext – a first conceptual text

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English below

Andere Welt Strausberg

Ein riesiges Gelände, ein mächtiger Wald, eine aus heutiger Sicht mehr als seltsame Historie, von der ehemalige militärische und zivile Anlagen wie ein gigantisch großer Bunker, Zaunanlagen und Gebäudekomplexe erzählen.
Hier entsteht in den nächsten Jahren ein wohl einzigartig bespieltes Areal: die „ANDERE WELT“.
„Eine andere Welt ist möglich!“ und „Her mit dem schönen Leben!“ sind zwei der Slogans, die nicht nur das Spannungsverhältnis von ‚Askese‘ und ‚Lebensgier und -lust‘ beschreiben, sondern der heutigen gesellschaftlichen Realität genau das entgegen setzen, was dringend und zwingend immer notwendiger wird. Die Durchkommerzialisierung aller Lebensbereiche schreitet unaufhörlich voran. Ein lebenswertes Leben wird immer mehr einzig an geldwerten Sachen und Dingen gemessen, für scheinbar leckeren und appetitlich verpackten Kaffee bezahlen wir mittlerweile gerne 50 bis 60 Euro pro Kilo, solange er nur in Form von Portionspads einen riesigen Haufen Müll produziert …
Derweil klettern die Kosten für Miete und Energie in unbezahlbare Höhen, und der Planet unter uns ächzt und stöhnt unter Schweinemastanlgen und Plastikmüllbergen. In der „Anderen Welt“ in Strausberg werden handfest und zum Anfassen und Erleben Möglichkeiten erprobt, vorgeführt und -gelebt, wie wir diesem alltäglichen Irrsinn entfliehen können. Wie wir es schaffen können, in unseren Alltagen dieser Spirale von Wachstum und Konkurrenz, die logischerweise sekündlich nur zu einem fühlbaren Mehr an Gegeneinander, zu einer andauernden Wettbewerbssituation führt, die im Grunde nicht aushaltbar wäre, wenn wir nicht ständig so dauerbeschäftigt wären damit, andere zu kritisieren, Feinde auszumachen, Kämpfe zu kämpfen, die wir nicht gewinnen können. Und zwar ganz egal, ob an der Supermarktkasse oder in der Straßenschlacht.

Betritt die Besucherin/der Besucher das Gelände in Strausberg, wird er im Optimalfall sofort merken, dass hier etwas anders läuft. Dies jedenfalls ist Wunsch und Ziel aller bislang an der Entwicklung des Projekts Beteiligten. Stellen wir uns also einmal vor, wie eine mögliche Variante eines solchen Rundganges aussehen könnte – die Betonung liegt dabei auf einer möglichen Variante, denn das endgültige Erscheinungs- und Erlebensbild des Geländes kann zum Glück noch keiner kennen, es wird in gemeinsamer Kreativität und Anstrengung von letztlich sehr vielen Menschen entstehen. Also, die Besucherin/der Besucher sieht zunächst rechts neben dem Eingang das ehemalige Pförtnerhäuschen, das zu einer Art Hofladen umgestaltet wurde, in dem die angebotenen Produkte zu einem Preis angeboten werden, den der Gast selbst bestimmt. Das Prinzip des commonsbasierten Wirtschaftens wird hier zum einen erlebbar und zum anderen aber auch in geeigneter Weise erklärt.
In dem ehemaligen Verwaltungsgebäude leben und arbeiten zahlreiche Menschen in einer selbstverwalteten Struktur. Das heißt, sie sind alle zusammen die Eigentümer des Gebäudes, das sie nutzen und in gemeinsam festgelegter Struktur verwalten. Das Haus ist mit nachwachsenden Rohstoffen gedämmt und wird wie alle Gebäude auf dem Gelände von einem zentralen Blockheizkraftwerk mit Holzvergaser mit Wärme und Strom versorgt.
In den Ateliers in den oberen Stockwerken und den Proberäumen im Keller erarbeiten Schriftsteller, Maler, Musiker, Filmemacher u.ä. Werke, die zum einen das Bestehende analysieren und zum anderen die Möglichkeiten, Dinge anders zu machen, aufzeigen, besingen und sexy machen. Die Werke sind selbstverständlich alle unter freien Lizensen wie den „Creative Commons“-Lizenzen veröffentlicht und digital verfügbar.
Einiges davon wird regelmäßig in der Veranstaltungshalle im ehemaligen Wasserwerk aufgeführt. Die Halle ist als Kino, Theater, Partyraum nutzbar, Vorträge und Diskussionen finden hier statt, selbstverständlich auch in Selbstverwaltung organisiert von engagierten Veranstaltern, die ihren Fokus auf die Thematisierung möglicher gesellschaftlicher Veränderung gelegt haben.
In den anderen ehemaligen Industriegebäuden gibt es zahlreiche andere Werkstätten, die allesamt offen und zugänglich sind. Hier kann jeder, der will, unter Anleitung oder selbständig lernen, mit Holz, Metall und anderen Werkstoffen umzugehen, und sich somit unabhängiger von gängigen Marktmechanismen machen. Auch Bildungsangebote an Jugendliche sind hier integriert.
Verlässt man das Industriegelände in Richtung Wald, gelangt man schnell auf einen zentralen Platz. Hier im ehemaligen Umschlaggebäude des Bunkers, das nun zu einem riesigen Gewächshaus umfunktioniert wurde, ist nicht nur ein Restaurant untergebracht, das vor allem Waldfrüchte verarbeitet, hier beginnt auch der Waldlehrpfad, der uns mit dem hochinteressanten Wesen des Waldes bekannt macht. Nicht nur die Bäume als mächtigste Gestalten auf dieser Erde, sondern auch der Waldboden mit seinem unfassbar reichhaltigen Organismus werden uns näher gebracht. Auf dem anschließenden Rundgang durch den Wald lässt sich dies dann alles vor Ort bestaunen.
Während man seine Kräuterpizza zu sich nimmt, sieht man sich umgeben von Hühnern und Enten und anderen Nutztieren, mit denen man in friedlicher Koexistenz ein Stückchen Erde nutzt. Und wer jemals in Gesellschaft von Hühnern an einem schönen Sommerabend sein Feierabendbier getrunken hat, wird wissen, dass dies ein einmalig entspannendes Erlebnis bedeuten kann.
Unter dem großen Dach über dem Bunker finden im Sommer kleinere Festivals, Openairkino und andere Veranstaltungen statt.
Gelangt man in den nördlichen Teil des Geländes, so sieht man sich vor einem riesigen Feld stehen, auf dem aus altem Betonschrott unzählige Hochbeete aufgemauert wurden, welche nun allesamt bewirtschaftet werden, und in denen nach Grundsätzen der Permakultur die verschiedensten Gemüsesorten wachsen. Permakultur wird hier selbstverständlich auch erklärt, und jeder, der möchte, darf sich ein Beet anlegen oder mit anderen gemeinsam eine Fläche bewirtschaften.
Für alle Gärtner und Gartenbesucher ist in der ehemaligen Autowerkstatt neben Geräteräumen und einem Saatgutdepot auch ein Treffpunkt eingerichtet, eine Art Café, aber auch Sanitäranlagen, deren Abwässer in einer Pflanzenkläranlage gereinigt werden.
Auf dem weiteren Streifzug durch den Wald wird man sehen, dass Zelte in den Bäumen hängen, lustige, schicke, große, kleine Baumhäuser zum Übernachten einladen oder noch ganz andere Wohnkonzepte aufscheinen.
Im Bereich um die ehemalige Kläranlage ist die Holzwirtschaft angesiedelt. Ein forstwirtschaftlicher Betrieb, in Selbstverwaltung organisiert, wirklich nachhaltige Holzverarbeitung. Die Bäume werden nach dem Plänterwaldprinzip geschlagen und mit Pferden aus dem Wald transportiert. In einem kleinen Sägewerk werden die Bäume weiterverarbeitet, dann getrocknet, und schließlich kann das Holz dann in den Werkstätten auf dem Gelände zu allem möglichen verarbeitet werden, bzw. die Reste als Hackschnitzel im Blockheizkraftwerk verbrannt werden.
Kreisläufe also, anschau-und erlebbar, Dezentralisierung nicht nur als Fremdwort, die einladende Geste als Grundprinzip. Kommt her und seht: es geht. Oder aber auch: kommt her und seht, das und jenes wird schwierig sein, aber wer, wenn nicht wir, findet auch dafür Lösungen. Das könnte so ein Gelände sein und bewirken: Protest als Angebot und nicht als weitere Verschärfung der gesellschaftlichen Konfliktlage. Lassen wir unsere Feinde abtropfen, indem wir unsere Aufmerksamkeit dem schönen Leben widmen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 

A huge site, a mighty forest, a history – more than strange when seen through today’s eyes, told by the former military and civilian facilities such as the complex of buildings, fence system and gigantic underground bunker.
Here, in the next few years, this space will become a hub of activity and creation, a place quite unlike any other – a „DIFFERENT WORLD“ (eine ANDERE WELT)
„Another world is possible“! and „Bring on the good life!“ are two slogans which describe the tension between the need for „Asceticism/Doing without“ and the „Lust/Greed for life“.  These slogans also signal loud and clear to today’s society exactly what must be done with increasing urgency.  Commercialisation is ceaselessly expanding to all aspects of our lives. A life worth living is increasingly measured in terms of objects and things, we are prepared to pay 50 or 60 Euro for a kilo of supposedly tasty and temptingly packaged coffee, as long as it comes in the form of portion pads which produce a mountain of trash.
In the meantime, the cost of rent and energy are climbing to unaffordable heights, and the planet below us groans and strains under the weight of factory pig-farms and mounds of plastic. In the „Different World“ in Strausberg, ways of escaping from this madness will be tried, lived by example and presented in a hands-on way which people can experience for themselves. How we can manage to cope in the spiral of growth and competition, which consistently pits each of us against the other, in a constant atmosphere of rivalry which we could not possibly bear, if we were not always preoccupied with criticising other, deciding who are our ‚enemies‘, fighting battles which we cannot win, no matter if they are fought at the supermarket checkout or in the streets.
When the visitor walks around the grounds in Strausberg, he or she should ideally notice at once, that something here is different. At least, this is the aim and wish of all those who have been involved in the development of the project so far. So let’s imagine how one possible version of what a visitor on the tour of the site could experience – note we emphasis one possible version, how the place looks in the end and what happens here will be developed with the creative cooperation and effort of very many people. So, the visitor sees on the right, next to the entrance, the former janitor’s house, now converted into a farm shop where the visitor determines the price of the products he or she buys.  The principle of the commons-based economy can be experienced and explained hands-on here.
The visitor now comes across the former administration building, where many people are now living and working in self-governance. That means, they are the joint owners of the building they are using, and manage it in an organisational form which they have chosen together. The house is insulated with renewable organic materials and supplied with heat and electricity from a central thermal power unit with gasification boiler, like all the buildings on site.
There are artist studios in the upper floors and rehearsal rooms in the cellar, where authors, painters, musicians and filmmakers are creating works of art, which on the one hand analyse the existing system and on the other hand – show, sing and sensualise possible ways of doing things differently. The art works have been made available under free licenses such as the „Creative Commons“ in the public domain and digital networks.
Some of this art will be performed regularly in the Events Hall in the former Waterworks.

This hall can be used as a cinema, theatre, party room, and lectures and discussions are held there, naturally managed in self-governance by committed event organisers, who have chosen to focus mainly on theme based events exploring social change.
In the other former industrial buildings, there are many other workshops, which are all open and accessible. Here, anyone who wants to can learn – alone or with guidance – how to handle wood, metal or other materials and thus become independent from the usual market mechanisms. Educational programmes for young people are an integral part of activities here.
The visitor leaves the industrial site and walks towards the forest, soon finding him or herself on a main square. Here stands the former logistics centre of the bunker, now converted into a giant green house. It not only houses a restaurant which has forest fruit on the menue, but it is also the first station of a nature trail where visitors can deepen their knowledge of the fascinating on-site forests. The exhibition brings us closer not only to trees as the most mighty figures on this earth, but also to the forest floor as an almost unperceivably rich organism.
Everything presented in what was once the logistics centre, can be experienced for real on the following fascinating tour of the forest.  While we nibble on our herb pizza, surrounded by chickens, ducks and other farm animals, we share this piece of earth with them in peaceful coexistence.    And anyone who has ever shared the company of chickens on a beautiful summer evening knows how relaxing this experience can be.
Under the large roof of the bunker in summer, smaller festivals, open air cinema and other events  take place. Arriving in the Northern part of the grounds, the visitor sees a huge field, on which many raised plant- and flower beds have been created from old concrete waste, which are now all in use, growing a wide variety of vegetables according to the principles of permaculture.  Permaculture is practiced here as a matter of course and anyone is free to establish his or her own plot here or cultivate a garden with others. 
 
Gardeners and visitors to the gardens will find that not only tool sheds and a seed bank, but also a meeting-place, a sort of café have been set up in what was once the car repair garage. The water from the adjacent public lavatories is cleaned and sanitised in a plant clarification basin.
On a further stroll through the forest, the visitor will see, that tents hang in the trees and funny, chic, large, small treehouses welcome overnight guests and demonstrate all kinds of possible alternative housing and living concepts.
Near the former treatment plan, the wood workshop can be found. A self-managed timber business produces truly sustainable timber. The trees are felled in accordance to the „Plänterwald“ method and transported by horses from the forest. The trees are then processed in a small sawmill, then dried and finally the wood can be processed in the on-site workshops in any manner of ways, for example, wood waste can be converted to fuel pellets for the thermal power station.

Natural cycles visualised and experienced, decentralisation not just in theory, a warm welcome for everyone.  Come and see for yourself that:  all this is possible.  Or come and see for yourself – that some of this is difficult to put into practice – but who will find solutions – if not we ourselves?  This is what a site like the „Andere Welt“ can achieve: Protest as a practical solution and not as a further escalation of social conflict.  Let’s confuse our enemies – perhaps they will fight amongst themselves on the battlefield, get bored and go home to reflect.  Let us focus on The Good Life.

Thankyou very much for your attention.

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