Andere Welt eG – so machen wir das:

durchblick06

Im ehemaligen Strausberger Stadtwald entsteht in genossenschaftlicher Hand ein Quartier mit Wohn- und Gewerberaum und S-Bahn-Anschluss: die „Andere Welt“. Gemeinsam organisieren wir ein urbanes Gebiet am Waldrand mit Platz für 70-100 Anlieger*innen und viele Gäste.
Unsere politische Ambition befördert gemeinsames und einladendes Treiben: keine übergeordnete Gemeinschaft mit allgemeinverbindlichen Regeln für alle, sondern eine respektvolle Nachbarschaft von Unterschiedlichem, Verschiedenem, (noch) Fremdem.
Dabei entsteht kein auf Autarkie ausgelegtes, abgeschlossenes Quartier, sondern eine urbane Ergänzung zur Umgebung mit einladender Gestik.

Unsere im November 2016 gegründete Genossenschaft kauft im Mai 2017 im ersten Schritt das zentral gelegene Gebiet (ca. 7.000 qm) mit den wesentlichen Bestandsgebäuden des Geländes, zu denen ein dreigeschossiger ehemaliger Verwaltungsbau und ein großer Garagentrakt gehören, die als Gewerbefläche bereits nutzbar und zu großen Teilen bereits vermietet sind. Einzelne Räume werden als Ateliers genutzt, wir beherbergen „Midria e.V.“, der sich die ganzheitliche Förderung und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in verschiedenen Tätigkeits- und Lebensbereichen zum Ziel gesetzt hat, das Erdgeschoss der „Platte“ wird Gäste-, Seminar- und Workshop-Bereich. Im ehemaligen Garagentrakt siedeln sich Handwerker*innen und Künstler*innen in Werkstätten und Ateliers an.

Insgesamt und auf Dauer geht es um mehr: Mit dem Bebauungsplan, der im Sommer 2017 rechtskräftig wird, werden weitere große Teile des Geländes für Wohn- und Gewerbe-Neubauten erschlossen. Geplant ist ein Nebeneinander von kleinen und großen, schlichten und gewagten, innovativen, ökologisch korrekt bis hoffentlich teils auch rekordverdächtig billigen Bauten.
Die formale Konstruktion besteht in der Verquickung und Abgrenzung von Privatem und Genossenschaftlichem. Häuslebauherr*innen (die Einzelgänger*innen, Duos, Familien, Wohngruppen, Ateliergemeinschaften, Firmen oder sonst was sein können) erbbaupachten genau die Grundfläche ihres Gebäudes; die freie Fläche gehört der Genossenschaft. Keine eigene Schaukel, kein exklusiver Vorgarten, aber viel Platz für alle überall.
Und mittels der Beteiligungen von neuen Genoss*innen, die auf dem Gelände bauen, erwirbt die eG nach und nach alle Geländeteile des Quartiers.

Derzeit arbeiten wir an einem großen Gesamtplan für das Gelände, der einerseits die nötigen juristischen Konstruktionen umfasst, um auch der Widersprüchlichkeiten der Vielfalt gerecht werden zu können, andererseits entstehen architektonische, städtebauliche und ästhetische Strukturen, die dann dem architektonischen Chaos soweit einen Rahmen geben, wie es nötig sein wird, damit aus den individuellen Interessen und Bedürfnissen dennoch ein funktionierendes Ganzes entstehen kann.
Im ehemaligen Wasserwerk entsteht ein Theaterprojekt, dessen Programmatik eng verzahnt mit den Ambitionen der Genossenschaft entwickelt wird.
Der Waldverein, der zwar eigenständig, aber in enger Kooperation und mit personellen Überschneidungen mit der eG die umliegende Waldfläche verantwortet, wird den Wald als Freiraum für Kunst und Kultur, Erholung und vor allem als „Denkraum“ entwickeln und damit massiv zur Prägung des Gesamtcharakters des Quartiers beitragen.
Zu dem Gesamtplan gehört auch die Arbeit an Produkten und Herstellungsprozessen, die zum einen den Möglichkeiten des Geländes (auch des Waldes) entspringen und entsprechen, und die es uns zum anderen erlauben, eine neue Sicht auf ökonomisches und gewerbliches (auch gastronomisches) Treiben zu werfen, damit auf Bereiche wie zukunftsfähige Arbeitsgestaltung, nachhaltige Produktion, integrative Arbeit usw.

Wir wollen daran glauben, dass aus diesen Aspekten Impulse entstehen können, die es uns ermöglichen, immer wieder neu auf bestehende und entstehende Strukturen zu blicken.
Dabei ist es uns wesentlich, dies nach vorne gerichtet zu tun. Wir sind näher daran zu glauben, dass die Geschichte der Moderne ins Stocken geraten ist, als daran dass früher alles besser war. Unsere „Geländeinszenierung“ folgt vor allem der Frage, wie sich Dinge, die wir als gesellschaftliche und soziale Fehlentwicklungen wahrnehmen, zumindest auf der Ebene des lokalen Experiments verhindern lassen, wie wir der reaktionären Tendenz des sich Abschottens etwas entgegensetzen, wie wir vor Ort den sich aufdrängenden Fragen unideologisch, solidarisch und weltoffen auf den Grund gehen können.

Derzeit suchen wir Mitstreiter*innen, die mit konkreten und verbindlichen Vorstellungen an dem Gesamtplan mitarbeiten wollen, auf der Ebene der Neubauten und der Gewerbe. Je mehr Menschen an der Entwicklung des Gesamtplans mitarbeiten, umso konkreter lassen sich die Vorhaben auf einzelne Bedürfnisse ausrichten. Für alle, die eine konkretere und weniger vage Planung für ihre Vorhaben benötigen, wird es ab Herbst diesen Jahres eine weiter fortgeschrittene Planung geben, zu der dann dazu gestoßen werden kann.

Strausberg, Mai 2017

Comments are closed.