Imperativ Wald

Eine große Waldfläche inmitten der Stadt Strausberg.
Die Spuren des Kalten Krieges sichtbar und in den Wald hinein betoniert.
Auf davon geprägten Flächen entwickelt sich ein öffentliches Quartier, in dem gelebt, gearbeitet, gegessen, geschlafen, geträumt und gedacht werden darf.
Einzig der Wald ist dabei der Imperativ.

Das Kulturquartier

Ein gigantischer Bunker aus Zeiten des Kalten Krieges, eine große Waldfläche mit unterschiedlichst erlebbaren Wald- und Aufenthaltsqualitäten, Gebäude, deren Erbauungsgründe längst hinter uns liegen …

Ein ehemals unzugänglicher Ort hinter Hochvoltzäunen wird der Öffentlichkeit Stück für Stück zurückgegeben. Bereits jetzt wird in den warmen Monaten das ehemalige Wasserwerk mit anspruchsvollen Eigenproduktionen der Anderen Welt Bühne bespielt. Anfang 2020 wurde hierfür der Bühnenraum neu gestaltet, gespielt wird jetzt auf einem einzigartigen, Raumbühne genannten, mehrgeschossigen Holzobjekt.

Nach einer Aufsehen erregenden, kurzzeitigen Voraböffnung im Herbst 2019 wird derzeit mit Hochdruck an der dauerhaften Öffnung der unterirdischen Bunkeranlage gearbeitet. Hier entsteht ein Gedenkort Kalter Krieg, der ca. 8.500 qm große Schutzbau wird als Kulturbunker zugänglich gemacht und regelmäßig Ausstellungen, Führungen, Workshops u.ä. anbieten.
Thematisch ist hier bedeutsam, dass das Bauwerk im Wald errichtet wurde und von Wald umgeben ist.

Die große Waldfläche lädt zum Spazieren, Erforschen und Wohlfühlen ein. Die überkultivierten Bereiche werden Stück für Stück in einen naturnahen Zustand gebracht und dann sich selbst überlassen. Dieser Wandel wird dokumentiert und vor Ort thematisiert, die Bedeutung des Waldes hinsichtlich der Speicherung von Kohlenstoff, der Beherbergung einer immensen Artenvielfalt vor allem in Totholz und Boden wird erlebbar gemacht und soll so zu einem tieferen Verständnis der Bedeutung des Waldes für das Leben an sich beitragen.

In der ehemaligen Wache am Geländeeingang eröffnet im Herbst 2020 die Gaststätte „Schmorpost“, in einem Holzatelier werden in der Praxis nachhaltige Designentwürfe erprobt und in kleinen Stückzahlen umgesetzt …

In den die Bestandsgebäude ergänzenden Neubauten werden ab 2021 zahlreiche Ateliers, Proberäume, Studios und Wohnraum entstehen.

Derzeit wird die Stiftung Altes Postgelände gegründet, die als rechtsfähige, gemeinnützige Stiftung unseren Anspruch an Öffentlichkeit jenseits von Privatbesitz und Markt umsetzt und unterstreicht. Die Stiftung wird Eigentümerin und integrative Mittlerin der unterschiedlichen ökologischen und kulturellen Bereiche.

Entwicklungsgeschichte

Im Laufe der Entwicklung des Areals in den letzten Jahren trat immer mehr in den Vordergrund, wie vielfach aufgeladen das Gelände durch seine Historie ist.
Anfangs sind wir lange davon ausgegangen, dass die Planungen für die kommenden Nutzungen vorrangig umzusetzen sind. Dies stellte sich als Irrtum heraus, da die geschichtlich geschichteten Schichten sich nicht ignorieren lassen, sondern quicklebendig in Köpfen, Beton und unter der Erde geistern. Der Ort will transformiert sein, bevor seine Zukunft beginnt.
Zu Zeiten der DDR wurde das Gelände unter strengster Geheimhaltung errichtet und hinter mehreren Zaunreihen betrieben. Was darauf getrieben wurde, war den meisten unbekannt, und unter den Zeitzeugen kursieren sich wild widersprechende Geschichten – Desinformation als Mittel der Verschleierung. Gemeinhin werden durch das Geheimnis Orte bedeutender, gewichtiger für die Stadt und seine Bevölkerung.
Nach dem Zusammenschluss der beiden deutschen Staaten geriet auch dieses Gelände erstmal in Vergessenheit. Aufbruch, Aufregung, die erforderte Neuaufstellung zahlreicher Lebenspläne und selbstverständlich das Überflüssigwerden der gesamten Anlage sorgten für ein Dahindämmern der dann von der Deutschen Telekom AG verwalteten Grundstücke.
Mit der Veräußerung an die derzeitigen Eigentümer*innen und der Aufnahme und Veröffentlichung der Planungen erinnerten sich viele an den Ort, einige verbanden gar die „gute, alte“ DDR damit und brachten sie somit auch leibhaftig an den Ort zurück, der Zukunft ignorant abgewandt …
Auf der Suche nach Mitstreiter*innen wurde auch und vor allem die historische Altlast immer wieder zum Unruheherd, die Interessenslage der Interessenten blieb häufig umnebelt wie die Geschichte des Ortes … selbst erklärte Linksradikale, die die kritische Betrachtung der DDR-Geschichte für Holocaustrelativierung halten, Esoteriker, die den Wald mit Halbedelsteinen heilen wollten, Prepper mit Milchvorräten für die nächsten Jahrzehnte unterm Bett … rechte Spinner zu erkennen und draußen zu lassen, ist leicht – linke Staatstreue zu einem abgewickelten Reich versteckt sich geschickt hinter der Solidaritätsfahne …
Viele der Mühen, die mit der Entwicklung des Geländes verbunden sind, lassen sich letztlich auch auf diesen historischen Zusammenhang zurückführen.

Inzwischen dürfen wir frohgemut vermelden, dass sich allerhand Nebel verzogen haben und das Areal im wahrsten Sinne des Wortes Gestalt annimmt: Das Theater hat zu seinem Bühnenraum und zu den Anfängen einer echten Compagnie gefunden, die Wache ist grundinstandgesetzt, und der Umbau zur Gaststätte hat begonnen, die Holzverarbeitung ist auf ein professionelles Level geklettert, die ersten Baugenehmigungen sind erteilt, Teile der Bestandsgebäude sind in gesicherte Strukturen überführt …

Es wird im besten Sinne schön werden!

Architektur und Design

Form folgt nicht der Funktion.

Die Form folgt der Vision.

Die Vision folgt der Wirklichkeit.

Friedrich Kiesler

Die Planungen für Neu- und Ergänzungsbauten orientieren sich gänzlich an den ökologischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit.

Mit dem Büro Arch.id fand sich auf’s Schönste eine erfahrene Partner*in, um eine der Waldlage und dem künstlerischen Gesamtkonzept angemessene Planung zu entwickeln.

Die Neubauten werden, auch als Kontrast zur denkmalgeschützten Kalter-Kriegs-Ästhetik, in Holzbauweise ausgeführt und CO2-neutral mit Energie und Wärme versorgt. Das Energiekonzept basiert hier auf Erdwärme und Photovoltaik.


Das Interesse an Wiederverwertung und Wiederverwertbarkeit, an wieder trennbaren Materialien und vor allem an der Steigerung der verwertbaren Anteile von Baumholz treibt vor Ort vor allem das im Holzatelier entwickelte Design voran. Im kleinen Sägewerk werden Baumstämme, die im Rahmen von Waldumwandlung und Verkehrssicherung anfallen, individuell aufgeschnitten, und der größte Teil wird in Möbel, Einrichtungen oder Gartengestaltung vor Ort und anderswo eingesetzt.

Hierbei geht es vorwiegend darum, modernes Design mit natürlich gewachsenem Material zu verwirklichen, ohne rustikal rückwärtig zu sein.

Das Thema ist bis ins Unendliche skalierbar und wird die weitere Geländeentwicklung, die Arbeit der Stiftung sowie die künftige Ansiedlung von Gewerben und Studios bestimmen.

Raumbühne

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